Elias: Sitzung 202012271 Nicht gesehen werden. Das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden

Diskussion über die kanalisierten Texte der Wesenheit Elias über Mary Ennis

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Elias: Sitzung 202012271 Nicht gesehen werden. Das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden

Beitrag von Gilla » Mo 13. Sep 2021, 11:43

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Session 202012271
Nicht gesehen werden. Das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden
Das Wertschätzen einfacher Dinge statt Abenteuern: Die eigenen Antworten entdecken
Sunday, December 27, 2020 (Private/Phone)

Participants: Mary (Michael) and Oliver (Amir)

ELIAS: Mein Freund, Wie werden wir vorgehen?

OLIVER: Hast Du Meinungen?

ELIAS: Nicht wirklich, aber man könnte dies bejahen in dem Kontext, dass Vorlieben eine Meinung sind.

OLIVER: Es ist schön, mit Dir zu sprechen. Auch ich habe Meinungen

ELIAS: Prima. Wirst Du einige davon äußern?

OLIVER: Meine Fragen werden sie ansprechen. Und ich möchte erwähnen, welchen Unterschied doch ein Jahr ausmachen kann.

ELIAS: Ah. Was vom Jahr abhängt.

OLIVER: Alles ist relativ, wie man so sagt. Nun zu meiner erste Frage: Was ist Deine schönste Erinnerung an zwischen Dir und mir miteinander geteilten Fokussen?

ELIAS: Ein Fokuserfahrung, in der wir als Partner in einer Hütte in England am Meer lebten. Es war ein sehr, sehr einfaches Leben.

OLIVER: Ja, ich kann das spüren. Einfachheit bringt anscheinend … Anscheinend gab es keine emotionalen oder gedanklichen Komplikationen. Ich habe den Eindruck, dass jenes Leben voller Wertschätzung war, die nicht verkompliziert wurde durch…

ELIAS: Ja, sehr. Das kannst Du nachforschen. Es war in der Stadt W-E-Y-M-O-U-T-H am Meer

OLIVER: Das werde ich tun.

ELIAS: Es war ein unkompliziertes bescheidenes Leben der Wertschätzung.

OLIVER: In dieser Verbindung muss ich an meine Großmutter väterlicherseits denken. Womit verbinde ich mich jetzt? Wahrscheinlich mit ihrer Fähigkeit, bescheidene/einfache Dinge wertzuschätzen.

ELIAS: Ja, und dies bringt tatsächlich erstaunliche Zufriedenheit und Wohlbehagen und macht alles im Leben leicht und fröhlich, so dass Ihr die Leute in Eurer Gemeinde, Euer Zuhause und Euer Tun wertschätzt und in dieser Bescheidenheit/Einfachheit einfach alles ein Element der Wertschätzung miteinzubeziehen scheint.

Und welchen Lieblingsfokus von Dir könntest Du Dir vorstellen?

OLIVER: Ich denke, eher ein abenteuerlicherer Fokus, denn meinem Gefühl nach gibt es bei der Bescheidenheit auch Einschränkungen. Ich weiß, dass das tief reicht, und dass s viele Türen gibt, durch die man gehen kann und dass jede Erfahrung uns viel offeriert und eine Fokusexistenz nicht unbedingt glänzen muss, aber Vielfalt und Abenteuer stoßen bei mir auf mehr Resonanz.

ELIAS: Ah. Ein Forscher oder auch ein Seeräuber wären also eher Dein Lieblingsfokus?

OLIVER: Ich weiß, dass ich einen Piraten-Fokus vor der marokkanischen Küste habe. Tompkin (eine Essenz) half mir, mir seiner gewahr zu werden. Jenen Fokus mag ich sehr. Es gibt da ein Gefühl von Freiheit und Eigensteuerung, und wenn ich mich mit ihm verbinde, erkenne ich, dass jeder Aspekt von ihm sehr lebensbejahend war, denn wenn er an Bord ging und seine Gemeinde verließ, wusste er nicht, ob er sie je wiedersehen würde, was zu einer wirklich tief empfundenen Abreise führte, und so war es auch bei der Rückkehr, ein wirkliches Wertschätzung des Wiedersehens und des sich miteinander Verbindens. Auf See wusste er nie, was geschehen würde, musste sich dem Meer und Wetter stellen, ganz abgesehen von den anderen Schiffen, was ständig Herausforderungen mit sich brachte, wobei man nie wissen konnte, wie es ausgeht, und doch tat er es immer wieder, und das war sehr lebensbejahend.

ELIAS: Das ist definitiv ein wertschätzendbarer Fokus.

OLIVER: Und doch bin ich im derzeitigen Fokus vorsichtiger und besorgt und neige eher zu Ideen von Sicherheit und Vorhersehbarkeit.

ELIAS: Nun erforschst Du stattdessen diesen Weg.

OLIVER: Was meine Erkundungen in diesem Fokus anbelangt, würde ich sagen, dass es für mich keine einfachen Antworten gibt. Es ist nicht so wie entweder alle Vorsicht ganz außer Acht zu lassen gegenüber der Wahl eines Lebens voller Vorsicht, nichts davon ist eine Antwort, und ich habe den Eindruck, dass es in jeder von mir erkundeten Richtung keine einfache Antwort für mich gibt.

ELIAS: Und warum sagst Du, dass es nie eine einfache Antwort gibt?

OLIVER: Nun, weil sie für mich nie stimmt, mich nie zufriedenstellt und nie die Antwort für mich ist. Doch vielleicht ist die Antwort auch ganz einfach, nein, lass mich das neu formulieren. Die in kulturellen Diskursen bevorzugte Schwarz-Weiß-Sicht überzeugt mich nicht. Es kommt mir vor, als ob ich einfach akzeptieren muss, dass die Antwort irgendwo dazwischen liegt und beiden Seiten miteinbezogen werden, wie Sicherheit und Vorhersehbarkeit, aber auch ein bisschen Abenteuer, also keine entweder- oder Wahl.

ELIAS: Ich verstehe Dich sehr gut. Doch vielleicht ist es so, das Du mit einer einfachen Antwort nicht zufrieden bist und Deine eigene Antwort entdecken möchtest.

OLIVER: Ja, und meine eigenen Antworten reflektieren anscheinend nicht den vorherrschenden kulturellen Diskurs.

ELIAS: Ja, Du hast Recht.

OLIVER: Das heißt, ich muss meine eigene Antwort finden. Das ist prima. Mit dem Entdecken dessen, dass es tatsächliche eine oder sogar viele Antworten für mich gibt, bin ich vorangekommen, denn ich habe das Gefühl, dass es nicht nur eine Seite der Münze gibt.

ELIAS: Stimmt. Ich gratuliere zu dieser Erkenntnis und zu der ausgezeichneten Formulierung.

OLIVER: Oh. Vielen Dank. (Beide lachen). Vor zwei Tagen zeigte die Kamera meines Telefons einen Artefakt-ähnlichen schwarzen Fleck, und ich fragte mich, ob das wohl das Hauptthema unseres heutes Gespräch reflektiert. Es geht um das von Dir erwähnte Zweite-Weltkrieg-Trauma zweier Generationen, denen ich auch angehöre, und ich möchte herausfinden, ob es bei mir unterdrückte Erinnerungen gibt, und ob bzw. welches Trauma mich persönlich beeinträchtigt hat, und falls der schwarze Fleck auf der Kamera das reflektiert, würde es auch auf ein ganz akkurates, scharfes und schönes Gesamtbild hinweisen, aber auch darauf, dass es noch einen für mich nicht sichtbaren, verborgenen kleinen Teilbereich gibt. Bin ich da auf der richtigen Spur?

ELIAS: Hast Du Erinnerungen, die Du mit irgendeinem Trauma verbindest, ohne diesbezüglich unbedingt ein Gefühlt zu haben, oder hast Du manchmal Gefühle, die Du nicht unbedingt mit irgendetwas verbinden kannst? Denn manchmal erinnert Ihr Euch nicht an ein Erlebnis, aber Ihr seid Euch der assoziierten Gefühle gewahr. In einer solche Situation erlebt Ihr etwas beharrlich und wiederholt und empfindet dabei ein Gefühl, das anscheinend in keinem Verhältnis zu Eurem Erlebnis steht.

OLIVER: Das, wovon Du sprichst, kenne ich gut, und ich denke, dass ich das Konzept gut verstehe. Das Markanteste ist zwar keine Erinnerung, sondern es sind bestimmte emotionale Zustände, die ich erlebe, die anscheinend gerechtfertigt sind, aber wie Du schon sagest in keinem Verhältnis zum Erlebnis stehen, und ich denke, dass es im Grund genommen darauf hinausläuft, nicht gesehen zu werden, denn das ist es, was mich am meisten triggert. Ich interagiere mit einer anderen Person und empfinde, dass sie mich nicht wirklich sieht, was bei mir eine starke Reaktion auslöst.

ELIAS: Und welches Gefühl ist Deine intensivste Reaktion?

OLIVER: Ich bin im Grunde genommen verärgert.

ELIAS: Ja, das ist sehr verständlich. Das ist definitiv eine der Äußerungen oder Erlebnis, wo es bei dem Gefühl keine tatsächliche Erinnerung an die traumatischen Ereignisse gibt. Zorn ist eine sehr gängige Äußerung und Gefühl angesichts eines nicht erinnerten Traumas.

Session 202012271 (Fortsetzung folgt)
Sunday, December 27, 2020 (Private/Phone)

Gilla
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Re: Elias: Sitzung 202012271 Nicht gesehen werden. Das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden

Beitrag von Gilla » Di 14. Sep 2021, 11:03

OLIVER: Okay, können wir nun vom Allgemeinen zu Einzelheiten schreiten?

ELIAS: Ja. Da Du sagst, dass Du das Gefühl hast, nicht angehört, nicht gesehen oder als wichtig erachtet zu werden, weshalb ich Dich frage, welche Art Äußerungen. Nenne mir einige Beispiele.

OLIVER: Ich denke, dass es meine Eltern sind. Es ist für mich schwierig, spezifische Beispiele zu bringen, da es eher eine Empfindung ist, wobei ich mich als Person … Wenn mir beispielsweise meine Mutter sagt, dass ich mir wegen einer Sache keine Sorgen machen soll, obwohl sie mich überhaupt nicht gefragt hat, ob ich mir diesbezüglich Sorgen mache. Sie handelt entsprechend ihrer eigenen Einschätzung und versucht, mich vor Sorgen zu schützen, aber sie erwägt nicht, mich zu fragen, ob ich mir in dieser Sache überhaupt Sorgen mache.

ELIAS: Und wie ist es mit Deiner Partnerin?

OLIVER: Es ist so als ob sie es unbedingt braucht, dass Situationen sich entsprechend ihrer Vorhersage bzw. so entfalten, wie sie es haben will, und wenn das nicht geschieht, wird sie sehr energisch und versucht, die Situation zu kontrollieren, und ich habe oft das Gefühl, dass ich das, was sie tatsächlich haben will, beispielsweise, dass etwas geputzt wird oder dass etwas, was ihr wichtig ist, nicht kaputt geht oder behutsam gehandhabt wird, bereits tue. Ich gehe behutsam mit den Dingen um, aber ich tue es anders als sie es getan haben will, und ich bin frustriert, weil ich doch … Ich habe das Gefühl, dass ich sie sehe und weiß, was sie haben möchte und das berücksichtige und entsprechend tue, aber das sieht sie nicht, und dann kommt sie mit ihrer Kontrolle.

ELIAS: Ahhh. Das (Deine Empfindung) ist sehr verständlich. Bist Du offen und bereit, das zu hören, was ich Dir sagen werde?

OLIVER: Absolut.

ELIAS: Denn es geht nicht um den Anderen, sondern um Dich. Beginnen wir beim JETZT und dann gehen wir zurück, zu Deiner Einschätzung, dass Du bereits das tust, was der Andere von Dir haben will und dass Du Rücksicht auf ihn nimmst, was er nicht wertschätzt und noch nicht einmal sieht, und dann ist der Andere verärgert, und Du siehst es so, dass sie es nach ihren Wünschen getan haben will, dass das die einzige Art und Weise wäre, es zu tun, doch all das ist ganz und gar Deine eigene Wahrnehmung und beruht auf dem Versuch, Andere zufriedenzustellen (to please), alles richtig zu machen, aber immer noch nicht gut genug zu sein.

OLIVER: Ja, das kann ich erkennen.

ELIAS: Und dabei spielt es keine Rolle, ob Du bereits an dem Punkt angelangt bist, wo Du Dich als gut genug siehst, denn wenn Du dies weiterhin erlebst, gibt es in Dir immer noch das Bedürfnis, Dich Dir selbst - und nicht einer anderen Person gegenüber - zu beweisen. Du versuchst, immer noch zu beweisen, dass Du gut genug bist, genug tust und genug bist, was Du über tatsächliche Aktionen bewirken musst. Es reicht nicht, dies bloß zu wissen, sondern Du musst dies auch mittels Aktionen bekunden.

Und aufgrund der Motivation Deines Tuns ist der Andere irritiert bzw. will nicht, dass Du es tust, oder er sagt sogar, dass Du es falsch machst. Diese Reaktionen sagen Dir das, was Du Dir selbst bereits bekundest: dass Du mangelhaft bist, nicht dass Du etwas nicht richtig gemacht hast, sondern dass Du selbst mangelhaft bist, weshalb Du die Reaktion als Reflektion empfängst. Es ist nicht so, dass der Andere etwas tut, was für Dich entmutigend ist oder Dich triggert, sondern seine Äußerung validiert Deine eigene Wahrnehmung von Dir: „ich bin mangelhaft“.

OLIVER: Okay. Das kann ich klar erkennen.

ELIAS: Dies beruht nicht bloß auf einem einzigen Ereignis, sondern auf einer fortlaufenden Äußerung, die mit beiden Elternteilen, und nicht nur mit Deiner Mutter zu tun hat. Im Versuch, Dich zu schützen, zieht sie voreilige Schlüsse, aber da sie nicht wirklich weiß, wie sie es tun kann, macht sie ihre Sache nicht sehr gut. Und wovor versucht sie Dich zu schützen?

OLIVER: Vor Missgeschick, vor allem, was mir passieren könnte, was nicht zu meinem Wohle wäre.

ELIAS: Lass uns das spezifischer betrachten. Es geht nicht nur um ein Elternteil, sondern um Beide.

OLIVER: Verstanden. Damit deutest Du an, dass sie versucht, mich vor den Reaktionen meines Vaters zu schützen.

ELIAS: Ja, aber vielleicht anders als Du meinst, eher dass er sich auf gewisse Weise äußert, die bewirkt, dass Du bedrückt bist.

OLIVER: Hm. Aber stimmt das? Wäre ich tatsächlich besorgt, wenn er sich offen äußerte?

ELIAS: Als Kind warst Du wegen ihm besorgt. Du hast Dir nicht unbedingt Sorgen um die Welt gemacht, sondern um ihn, und für ein kleines Kind ist das Übernehmen der Verantwortung für ein Elternteil eine große Bürde, wo doch das Elternteil in der Lage ist, die Verantwortung für das Kind zu übernehmen. Doch wenn das Kind das Elternteil als fragil oder zerbrechlich wahrnimmt, bewirkt das, dass das Kind sich unsicher fühlt und meint, dass es die Verantwortung für das Elternteil übernehmen, sich um dieses kümmern oder sorgen muss, und je mehr Deine Mutter Dir sagte, dass Du Dir keine Sorgen machen musst, umso besorgter warst Du.

Denn je mehr man Dir sagte, Dir keine Sorgen zu machen, umso mehr nahmst Du das wahr, was Du analysiert hast, nämlich dass man Dich und die Situation nicht ernst nimmt, dass Du nicht gehört und nicht gesehen wirst und dass es etwas Wichtiges gibt, das angesprochen werden sollte, aber nicht angesprochen wird.

OLIVER: Heißt das, dieser Gedanke kam mir gerade, dass die intensive Äußerung meiner Mutter, ihre aufsehenheischenden Reaktionen nichts als Verschleierungstaktik waren, damit sich meine Aufmerksamkeit nicht auf meine Vater richtet.

ELIAS: Nein, Deine Mutter hat Dich aufrichtig gerne und liebt Dich.

OLIVER: Ja, absolut.

ELIAS: Deine Mutter wollte aufrichtig verhindern, das Du ein bedrücktes Kind bist, und teilweise erkannte sie auch, warum Du eine etwas bedrückte Person bist, was auch eine Situation erschuf, in der sie Deinem Vater gegenüber etwas Tadel empfand. Das Meiste, was Ihr als Kind versteht und empfangt, ist energetisch, weshalb man Kindern nicht erst noch sagen muss, was los ist. Sie spüren das und empfinden es. Und wenn Dein Mutter Deinen Vater dafür tadelte, dass Du ein etwas bedrücktes Kind warst, fängst Du dies energetisch auf, was die Situation dann noch erschwert, weil es dann noch mehr Erwartungen an den Vater gibt, der sich jedoch bereits nicht erlaubt, sich gänzlich frei zu äußern.

Es gibt also zusätzlichen Druck, energetischen Tadel und Erwartungen, und dann sind da noch seine eigenen Erwartungen, da er Dich ebenfalls liebt und nicht weiß, wie er sich richtig äußern kann, was die Situation noch erschwert. Und diese fortwährende Situation erschafft eine Umwelt, in der Du Dich als Kind nie sicher fühltest, denn Du fühltest Dich nie wirklich anerkannt.

Session 202012271 (Fortsetzung folgt)
Sunday, December 27, 2020 (Private/Phone)

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Re: Elias: Sitzung 202012271 Nicht gesehen werden. Das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden

Beitrag von Gilla » Mi 15. Sep 2021, 11:05

OLIVER: Stimmt. Sie waren wohl sehr mit sich selbst beschäftigt? Denn die Dynamik zwischen der Wahrnehmung meiner Mutter und ihren Erwartungen an Vater, sowie seine Selbstwahrnehmung und Gefühle der Unzulänglichkeit, alle diese Dinge sind ihre Dramen.

ELIAS: Ja.

OLIVER: Damit waren sie beschäftigt, und ich beobachtete dies, war davon beeinträchtigt und wurde nicht als der gesehen, der ich bin.

ELIAS: Stimmt, und dies erschafft auch das Gefühl von Unsicherheit, weil Du nicht wichtig genug bist. Und Du hast es kompensiert und versucht, vorauseilend gefällig zu sein und das zu tun, was der Andere haben will oder braucht, noch bevor er selbst weiß, dass er etwas haben will oder benötigt.

OLIVER: Ja.

ELIAS: Doch damit behindert Du Dich selbst, weil der Andere, so wie Deine Mutter es tat, dies als Besorgnis interpretiert oder fragt: „Warum tust Du das? Ich hatte nicht darum gebeten. Du hast es sowieso nicht richtig gemacht. Ich habe meine eigene Methode und werde es so machen. Ich habe Dich nicht darum gebeten, also tue es nicht!“ Hast Du das verstanden?

OLIVER: Ja, ja, ja.

ELIAS: Und so wird die Situation immer wieder neu erschaffen, und Du ärgerst Dich, weil Du Dich herabgesetzt, ungesehen und nicht wertgeschätzt fühlst, und Du selbst hast die Situation erschaffen durch Vorwegnahme dessen, was der Andere haben will, denn das ist die Art und Weise, wie Du Dich damit befasst.

OLIVER: Da ich dazu neige, mit Menschen involviert zu sein, die nicht wirklich zu mir passen und ich diese Beziehungen und Nähe wahre, ohne mich nach mir selbst zu richten und so eine gewisse Beziehungszufriedenheit ermögliche, heißt das, dass ich einfach das, was sich für mich richtig anfühlt auf meine eigene Weise tun könnte, und dass diese Leute aufgrund unserer Verschiedenheiten im Grunde genommen nicht eng mit mir verbunden sein möchten? Ist das einleuchtend

ELIAS: Es ist einleuchtend. Ich würde sagen, sowohl ja als auch nein, d.h. dass die Leute, die Du auf Dich anziehst bzw. angezogen hast, nicht von Dir angezogen würden, wenn Du nicht gewählt hättest, Dich um sie zu kümmern/sorgen. Und nun zum Nein-Teil: Manche mögen zunächst von Dir angezogen sein, aber das heißt nicht, dass sich das nicht auch ändern kann, so dass diese Person angesichts der Veränderung nicht mehr von Dir angezogen wird.

In Deiner Partnerbeziehung könnte es durchaus schwierig werden, wenn Du Dich erwischst und dann aufhörst, vorauseilend zu helfen oder wenn Du nicht abwarten kannst, bis Du um Hilfe gebeten wirst. Wenn Du nicht abwarten kannst, dann frage: „Wäre es hilfreich, wenn ich dies oder das tun würde?“ und höre auf die Antwort und akzeptiere sie. Und wenn der Andre sagt: „Nein, es ist okay. Das tue ich selbst“, dann akzeptiere das und drängle nicht. Setze das Gespräch nicht fort mit der Aussage: „Nun, ich könnte dies oder das tun.“ Tue das nicht. Akzeptiere die Antwort des Anderen und belasse es dabei.

OLIVER: Ich habe das Gefühl, dass meine Partnerin und auch mein Mutter alles auf eine bestimmte Weise erledigt haben wollen… Es ist komisch. Meiner Ansicht nach ist es eine Sache von Prinzip und Einzelheiten. Prinzipiell helfe ich gerne und bin in Resonanz mit bestimmen Resultaten und grundsätzlichen Empfindungen, doch ich habe das Gefühl, dass sie die Dinge oft auf spezielle Weise erledigt haben wollen, womit ich einverstanden bin, aber nicht unbedingt mit ihrer speziellen Vorgehensweise, also habe ich das Gefühl, dass sie mich kontrollieren wollen. Verstehst, Du was ich meine?

ELIAS: Ja. Es geht dabei darum, ihnen zu gestatten, es auf ihre spezifische Art und Weise zu tun. Wenn sie etwas auf eine bestimmte Weise erledigt haben wollen, zu der Du nicht unbedingt neigst, weil Du Dich dann kontrolliert fühlst, lass zu, dass sie es selbst tun.

OLIVER: Und sie werden nicht frustriert sein, weil ich ihnen nicht helfe?

ELIAS: Du kannst helfen, auch ohne unbedingt die Aufgabe zu übernehmen. Nehmen wir an, das Individuum erledigt die Wäsche auf eine eigene Weise, weil es dies so getan haben will, und wenn Du das übernimmst, mache es bitte auf gleiche Weise. Doch Du willst es anders machen, einfach deshalb, weil Du sonst das Gefühl hast, dass man Kontrolle über Dich ausübt. Du hast kein Problem damit, die Wäsche zu erledigen und würdest es auch gerne tun, aber Du fühlst Dich kontrolliert, wenn Du das auf eine bestimmte Weise tun sollst.

OLIVER: Ja.

ELIAS: Dann kannst Du einfach sagen: „Die Wäsche würde ich gerne für Dich erledigen, um Deine Aufgabenlast zu verringern, aber ich würde dies wohl nicht auf die Weise tun, wie Du es tun würdest, und wenn Dir das etwas ausmacht, werde ich es nicht tun und kann stattdessen etwas anderes erledigen.“

OLIVER: Was wieder auf dasselbe hinausläuft, dass ich die anderen Dinge durchaus gerne erledigen würde, wenn ich sie auf meine Weise erledigen darf.

ELIAS: Aber schließlich wird es irgendetwas geben, bei dem es Dich nicht stört, es auf ihre Weise zu tun, wo das für Dich nicht wichtig ist. Vielleicht bevorzugen sie ein bestimmtes Waschmitteln, das Dir im Grunde genommen egal ist.

OLIVER: Stimmt.

ELIAS: Es geht hier wieder darum, der andere Person nicht zuvorzukommen, aber erinnere Dich auch daran, dass Du nur dann fragst, ob Du helfen kannst, wenn Du nicht abwarten kannst, bis sie um Deine Hilfe bitten, also das zu evaluieren, was Du für Dich selbst wichtig machst. Was machst Du für Dich selbst wichtig, so dass Du die Aufgabe nicht auf die Weise erledigen kannst, wie der Andere es tut? Aber …

OLIVER: Sowohl meine Partnerin als auch meine Mutter reagieren emotional sehr heftig, wenn ich es nicht auf ihre Weise tue, und das mag ich nicht.

ELIAS: Verstanden. Die Frage ist, warum Du es nicht auf diese Weise tust, denn es läuft wieder auf Dich und auf das hinaus, was Du tust. Es ist nicht so, dass Du es nicht auf eine bestimmte Weise tust, weil Du nicht kontrolliert werden willst, sondern weil Du bereits wahrnimmst, dass Du etwas falsch machst und mangelhaft bist und es deshalb auf eine Weise tust, die ihnen missfällt, und deshalb sagte ich: „Warte ab, bis sie Dich darum bitten, und wenn sie nicht um Deine Hilfe bitten, tue es nicht.“

OLIVER: Okay. Das habe ich laut und klar gehört, und ich denke, dass ich das tun kann …

ELIAS: Lass mich Dir noch etwas dazu sagen. Wenn Du diese Richtung einschlägst und der Andere womöglich anfängt, sich auf eine Dich irritierende Weise zu verhalten oder zu handeln und sagt, dass Du nicht genug tust, kannst Du erklären: „Ich spüre, dass Du irritiert bist und verstehe, dass Du vielleicht meinst, dass ich nicht genug tue, doch wenn Du meine Hilfe haben willst, musst Du das nur aussprechen. Ich werde nichts vorauseilend erledigen, solange Du nicht darum gebeten hast, weil ich derzeit versuche, etwas in mir selbst anzusprechen, nämlich nicht ständig etwas falsch zu machen, weshalb ich bestimmtem Handlungen nur dann tun werde, wenn ich darum gebeten werde, aber dann werde ich sie gerne tun.“

OLIVER: Das leuchtet mir ein. Es ist sozusagen ein Kern-Thema, das mich beeinträchtigt hat. Ich weiß nicht, ob Fehlfunktion das richtige Wort dafür ist.

ELIAS: Ja, ich würde sagen, dass dies definitiv eines jener Trauma-Themen ist.

OLIVER: Aber das Trauma ist eher… Du sagtest, dass es keine spezifisch gegen mich gerichtete Handlung war, sondern dass ich Zeuge der Ereignisse und der Atmosphäre war.

ELIAS: Ja.

OLIVER: Ja, so habe ich das auch gesehen. Du hast mir also im Grunde genommen Richtungen gewiesen oder Vorschläge gemacht, wie ich dort herausfinden kann.

ELIAS: Ja, und ich schlage vor, ihnen zu sagen, dass Du Dein eigenes Thema in Dir ansprichst, so dass sie verstehen, dass Du weder unausstehlich bist noch sie ignorierst, sondern vielmehr versuchst, etwas anzusprechen, was es Dir ermöglichen wird, eine erfolgreicher Beziehung mit ihnen zu haben.

OLIVER: Stimmt. Ich stecke ein bisschen fest in der Idee der Angst vor ihrem möglichen Frust, wenn ich Dinge nicht genau so tue, wie sie das haben wollen, aber Du …

ELIAS: STOPP! Tue das nicht, stoppe diese Konzentration sofort, und erwische Dich immer dabei, wenn Du diese Richtung einschlägst, denn Du kannst ihnen sagen, dass Du innerlich ein Thema ansprichst, und dass Dir das helfen wird, tatsächlich eine erfolgreichere Beziehung mit ihnen zu erschaffen und dass Du inzwischen nichts ungebeten tun wirst.

OLIVER: Verstanden, aber ich antizipiere immer noch, dass sie, wenn sie mich bitten, etwas zu tun, weiterhin fordern werden, dass ich es auf eine bestimmte Weise tue.

ELIAS: Aber Du hast diese Informationen. Und wenn sie Dich bitten, etwas auf eine bestimmte Weise zu erledigen, kannst Du evaluieren, ob es tatsächlich für Dich wichtig ist, dass Du es nicht auf die von ihnen gewünscht Weise tust, oder Du kannst sagen: „Ich werde es möglicherweise nicht auf die von Dir gewünschte Weise tun. Willst Du dann immer noch, dass ich es tue?“

OLIVER: Das ist besser. Denn ich mag es wirklich nicht, in einer Beziehungsvariante zu sein, im der mir ein Andere nach seinem Geschmack Einzelheiten diktiert.

ELIAS: Ja, das verstehe ich.

OLIVER: Ich schreibe das gerade auf. Perfekt. Ich bin froh, dass dieser Aspekt von mir etwas beleuchtet wurde.

ELIAS: Prima. Ich würde sagen, dass Du dies wahrscheinlich sehr schnell aufarbeiten kannst.

OLIVER: Was Interaktionen bei der Arbeit, insbesondere während der letzten zehn Jahre in meinem eigenen Unternehmen anbelangt, habe ich das Gefühl, dass die Art und Weise, wie ich einen guten Flow mit den Leuten erzielen kann, immer ein gutes Beispiel war, bei dem ich mit mir selbst und sie auch mit mir zufrieden sind.

ELIAS: Ja, stimmt. Diese anderen Schwierigkeiten gibt es in den schon lange währenden Situationen mit Personen, mit denen Du eine innige Beziehung hast.

OLIVER: Absolut. Das it es, was dies triggert, bzw. es ist der Rahmen, innerhalb dessen dies geschieht.

ELIAS: Ja.


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Sunday, December 27, 2020 (Private/Phone)

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